Einen Roman zu schreiben ist nicht eine einzige Tätigkeit, sondern mehrere verschiedene Arbeiten, die nacheinander erledigt werden. Du planst die Welt. Du schreibst die erste Fassung. Du achtest darauf, dass der Text zusammenhält. Du säuberst die Sprache. Du bereitest die Datei zum Versenden vor. Zu jeder dieser Arbeiten passt ein anderes Werkzeug, auch wenn es welche gibt, die mehrere Phasen auf einmal abdecken.
Im Folgenden zehn Werkzeuge für Autoren. Wir beginnen mit einem, das mehrere Phasen verbindet, und gehen dann durch den Rest, gruppiert danach, wofür er wirklich da ist. Das ist kein Ranking vom besten zum schlechtesten, sondern eine Landkarte: Schau, in welcher Phase du steckst, und wähle das aus, was in deiner Werkstatt fehlt.
Überblick im Kurzformat
| Werkzeug | Wofür | Preis | Auf Deutsch |
|---|---|---|---|
| Vellam | Planung, Schreiben und Textanalyse | kostenloser Plan | |
| Notion | Organisation von Projekt und Notizen | kostenloser Plan | |
| World Anvil | Worldbuilding und Weltenzyklopädie | Freemium | |
| Aeon Timeline | Zeitachse der Handlung | Einmalkauf | |
| Scrivener | Organisation des Manuskripts | Einmalkauf | |
| Google Docs | Schreiben und Zusammenarbeit | kostenlos | |
| FocusWriter | ablenkungsfreies Schreiben | kostenlos | |
| LanguageTool | Sprachkorrektur | Freemium | |
| Reedsy Book Editor | Satz und Export zur Veröffentlichung | kostenlos | |
| Cold Turkey | Blockieren von Ablenkungen | Freemium |
Vellam ist das einzige Werkzeug aus dieser Liste, das Planung, Schreiben und Prüfen des Textes an einem Ort abdeckt. Die anderen sind auf eine Phase der Arbeit spezialisiert.
Planung, Schreiben und Analyse in einem Werkzeug
Die meisten Werkzeuge aus dieser Liste machen eine Sache gut. Es gibt jedoch eines, das mehrere Phasen auf einmal abdeckt, also beginnen wir damit.
1. Vellam
Vellam ist ein Werkzeug, das den Roman durch drei Phasen führt: Planung, Schreiben und Prüfen des Textes.
Planung: In der Projektbibel definierst du Figuren, Weltregeln und deinen Stil. Dieses Wissen bleibt erhalten und speist jede spätere Analyse, sodass die Rückmeldung auf deine Geschichte zugeschnitten ist und nicht generisch.
Schreiben: Du schreibst die Kapitel im eingebauten Editor oder importierst eine fertige Datei im Format .docx, .txt oder .pdf.
Prüfen: Vellam liest den Roman Kapitel für Kapitel, verfolgt die Konsistenz von Figuren, Handlungssträngen und Schauplätzen, erkennt logische Lücken und abgerissene Handlungsstränge und baut den Handlungsatlas auf, also Karten zu jeder Figur, jedem Schauplatz und jedem Handlungsstrang einzeln für jedes Kapitel. Heatmaps zeigen, wo eine Figur oder ein Handlungsstrang für mehrere Kapitel verschwindet. Die statische Textanalyse steigt bis auf die Satzebene hinab und zeigt Klischees, Füllwörter und Redundanzen, zu lange Sätze, passive Erzählweise, schwache Verben, ein Übermaß an Adverbien, Wiederholungen sowie Vagheit, also die Lesbarkeit des Textes.
Dazu kommt die Teamarbeit: Du lädst eine Lektorin oder einen Co-Autor ein, weist eine Rolle zu und hinterlässt Kommentare zu Textabschnitten und ganzen Kapiteln.
Minus: Vellam läuft im Browser und braucht eine Internetverbindung. Für wen: für Autorinnen und Autoren, die das Projekt lieber führen, schreiben und den Text an einem Ort prüfen, statt mit fünf Werkzeugen zu jonglieren. Sieh dir die Beispielanalysen an Abschnitten eines echten Romans an.
Planung und Aufbau der Welt
Bevor du den ersten Satz schreibst, lohnt es sich, einen Ort für Ideen, Figuren und Weltregeln zu haben. Ohne das verteilen sich die Notizen über Hefte und Dateien.
2. Notion
Notion ist eine flexible Wissensdatenbank, in der du jede beliebige Struktur aufbaust: Figurenkarten, eine Schauplatzdatenbank, einen Schreibkalender, eine Liste von Handlungssträngen. Für viele Autoren ist das der zentrale Ort des Projekts, zu dem sie vor jeder Sitzung zurückkehren. Der kostenlose Plan reicht für einen Roman völlig aus.
Minus: Dieselbe Flexibilität kann Zeit verschlingen. Es ist leicht, eine Woche mit dem Aufbau des perfekten Notizsystems zu verbringen, statt zu schreiben. Für wen: für Autoren, die gerne alles an einem geordneten Ort haben.
3. World Anvil
World Anvil ist ein Werkzeug, das fürs Worldbuilding geschaffen wurde. Du baust eine Weltenzyklopädie auf, verknüpfst Einträge mit Querverweisen, fügst Karten und Zeitachsen hinzu. Bei Fantasy und Science-Fiction, wo die Welt eine eigene Figur ist, rettet so eine geordnete Datenbank vor Widersprüchen.
Minus: Die Oberfläche ist dicht, und der volle Funktionsumfang verbirgt sich hinter einem kostenpflichtigen Plan. Für wen: für Fantasy-Autoren, die ausgedehnte, mehrbändige Welten aufbauen. Mehr zur Konsistenz der Welt im Ratgeber für Fantasy-Autoren.
4. Aeon Timeline
Aeon Timeline ist eine Zeitachse für die Handlung. Du ordnest Ereignisse in der Zeit an, weist sie Figuren und Handlungssträngen zu und siehst sofort, ob die Chronologie trägt. Unschätzbar bei Krimis, wo Alibis und die Reihenfolge der Ereignisse auf die Stunde genau stimmen müssen, sowie bei mehrsträngigen Erzählungen.
Minus: nur englische Oberfläche und eine einmalige, aber niedrige Gebühr. Für wen: für Autoren von Krimis und Romanen mit verflochtenen Zeitlinien. Sieh dir auch den Ratgeber für Krimi-Autoren an.
Schreiben
Hier entsteht der Text. Die Wahl des Werkzeugs hängt davon ab, ob du Struktur, Zusammenarbeit oder Stille brauchst.
5. Scrivener
Scrivener ist der Klassiker der Manuskriptorganisation: Szenen und Kapitel als einzelne Karteikarten, eine Korkpinnwand, Notizen am Text. Für einen langen Roman gibt es eine Struktur, die ein gewöhnlicher Editor nicht hat. Minus: steile Lernkurve und Oberfläche auf Englisch.
Für wen: für Autoren langer Romane und Serien. Einen ausführlichen Vergleich von Scrivener mit anderen Programmen findest du im Artikel über Software zum Romane schreiben.
6. Google Docs
Google Docs ist Schreiben in der Cloud mit der besten Zusammenarbeit auf dieser Liste: Kommentare, Vorschlagsmodus, Änderungsverlauf. Der ideale Moment, es einzusetzen, ist die Arbeit mit einem Lektorat oder einer Testleserin. Es ist kostenlos und von jedem Gerät erreichbar.
Minus: keine Romanstruktur und ein schwacher Offline-Modus. Für wen: für Autoren, die den Text mit anderen teilen und das Arbeiten im Browser schätzen.
7. FocusWriter
FocusWriter ist ein kostenloser Editor, gestaltet rund um eine Idee: verschwinden. Vollbild, ein leeres Blatt, keine Werkzeugleisten, ein optionaler Wortzähler und ein Tagesziel. Wenn nicht die Organisation das Problem ist, sondern die Konzentration, macht dieses Werkzeug genau das, was nötig ist.
Minus: Es ist nur ein Editor, ohne Projektorganisation. Für wen: für Autoren, die sich bei umfangreichen Programmen ablenken lassen.
Sprachkorrektur
Wenn der Inhalt bereits trägt, bleibt das Säubern der Sprache: Rechtschreibung, Zeichensetzung und stilistische Stolpersteine.
8. LanguageTool
LanguageTool ist ein Sprachkorrektor, der mit dem Deutschen gut zurechtkommt: Rechtschreibung, Zeichensetzung, Wiederholungen, grundlegende stilistische Stolpersteine. Es läuft im Browser, in Texteditoren und als Erweiterung. Der kostenlose Plan fängt die meisten typischen Fehler ab.
Minus: Fortgeschrittene Stilvorschläge sind im kostenpflichtigen Plan. Für wen: für jeden Autor vor der Korrekturphase. Das ist die Ebene von Wort und Satz, nicht die der Handlung.
Veröffentlichung
Der Text ist fertig. Es bleibt das Vorbereiten der Datei zur Veröffentlichung.
9. Reedsy Book Editor
Reedsy Book Editor ist ein kostenloses Werkzeug für den Satz: Du tippst oder fügst den Text ein, und am Ausgang bekommst du eine korrekt formatierte EPUB- und PDF-Datei, bereit für das Self-Publishing. Ein professionelles Aussehen ohne Kenntnisse von Satzprogrammen.
Minus: Oberfläche auf Englisch und auf die Endphase ausgerichtet, nicht aufs Schreiben. Für wen: für Self-Publishing-Autoren, die ihr Buch zur Veröffentlichung vorbereiten.
Produktivität
Das beste Werkzeug hilft nicht, wenn du dich nicht zum Schreiben hinsetzt.
10. Cold Turkey
Cold Turkey blockiert Ablenkungen: Webseiten, Anwendungen, manchmal das gesamte Internet, für eine festgelegte Zeit. Das klingt drastisch, und genau darum geht es. Wenn nicht die Idee oder das Werkzeug das Problem ist, sondern die Gewohnheit, alle fünf Minuten zum Telefon zu greifen, hilft so ein rücksichtsloses Abschneiden mehr als noch ein weiterer Editor.
Minus: Ein Teil der Funktionen ist kostenpflichtig, die Oberfläche ist auf Englisch. Für wen: für Autoren, die wissen, dass sie Zeit verlieren, und eine harte Grenze brauchen.
Wie du daraus deine eigene Werkstatt zusammenstellst
Du brauchst nicht zehn Werkzeuge auf einmal. Du hast zwei Wege.
Der erste: ein Werkzeug, das mehrere Phasen abdeckt. Vellam führt Planung, Schreiben und Prüfen des Textes, einschließlich der statischen Stil- und Lesbarkeitsanalyse. Daneben bleibt dir eigentlich nur noch ein Werkzeug für den Satz des Buches zur Veröffentlichung.
Der zweite: ein eigenes, spezialisiertes Werkzeug für jede Phase:
- du planst: Notion plus World Anvil oder Aeon Timeline
- du schreibst: Scrivener, Google Docs oder FocusWriter, eines von dreien
- du säuberst die Sprache: LanguageTool
- du veröffentlichst: Reedsy Book Editor
Die meisten Autoren beginnen mit einem Werkzeug und ergänzen mit der Zeit das, was ihnen wirklich fehlt. Wenn du erst ein Programm für das reine Schreiben aussuchst, lies den Vergleich von Software zum Romane schreiben. Wenn du ein fertiges Manuskript hast, beginne mit dem Ratgeber, wie du deinen eigenen Roman überarbeitest.
Häufige Fragen
Welche Werkzeuge für Autoren sind kostenlos?
Google Docs und FocusWriter sind vollständig kostenlos. Notion, World Anvil, LanguageTool und Cold Turkey haben kostenlose Pläne, die für den ersten Roman ausreichen. Reedsy Book Editor ist kostenlos. Vellam hat einen kostenlosen Plan mit Editor und vollständiger Analyse des ersten Kapitels.
Brauche ich alle diese Werkzeuge?
Nein. Um einen Roman zu schreiben, reicht ein Werkzeug. Die anderen ergänzt du dann, wenn du einen konkreten Mangel spürst: Unordnung in den Notizen, Widersprüche in der Welt, Unsicherheit, ob der Text trägt. Eine Werkstatt baut man schrittweise auf, nicht auf einmal.
Welches Werkzeug fängt Inkonsistenzen in meinem Roman ab?
Dafür ist ein Analyse-Werkzeug da. Vellam liest das gesamte Manuskript Kapitel für Kapitel und markiert Inkonsistenzen bei Figuren sowie abgerissene Handlungsstränge, mit Angabe des konkreten Kapitels und Abschnitts. Sprachkorrektoren wie LanguageTool tun das nicht, denn sie arbeiten auf der Satzebene, nicht auf der der Handlung.
Womit fange ich an, wenn ich erst meinen ersten Roman schreibe?
Mit einem Werkzeug zum Schreiben, am besten einem, das du bereits kennst, also Google Docs oder Word. Baue kein umfangreiches Werkzeugsystem auf, bevor du die erste Fassung geschrieben hast. Zuerst der Text, dann die Werkstatt darum herum.