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Ein Buch veröffentlichen: Verlag, Selfpublishing oder Hybrid

Ein Buch zu veröffentlichen ist ein Prozess, der erst beginnt, wenn der Text fertig geschrieben und überarbeitet ist. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn die meisten abgelehnten Manuskripte scheitern nicht an der Idee, sondern daran, dass die Autorin oder der Autor ein bis zwei Fassungen zu früh eingereicht hat.

Dieser Leitfaden geht den ganzen Weg durch: Wahl des Verlagsmodells, Vorbereitung des Manuskripts, Einreichung, Vertrag und das, was nach dem Erscheinen kommt. Wer noch an der ersten Fassung sitzt, beginnt besser beim Leitfaden einen Roman schreiben und kommt mit fertigem Text hierher zurück.

Die drei Verlagswege

Im Buchmarkt gibt es heute drei Modelle. Sie unterscheiden sich darin, wer die Kosten trägt, wer entscheidet und wie viel die Autorin pro Exemplar verdient.

Der klassische Verlag. Der Verlag trägt sämtliche Kosten: Lektorat, Korrektorat, Satz, Cover, Druck, Vertrieb. Die Autorin erhält einen Vorschuss und Tantiemen, meist im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Im Gegenzug gibt sie einen Teil der Kontrolle ab: über das Cover, manchmal den Titel, oft den Zeitplan. Bei den großen Publikumsverlagen führt der übliche Weg über eine Literaturagentur, viele nehmen unverlangt eingesandte Manuskripte gar nicht an. Kleinere Verlage lesen dagegen oft Direkteinsendungen.

Selfpublishing. Die Autorin ist der Verlag: Lektorat, Korrektorat, Satz und Cover werden auf eigene Kosten beauftragt, veröffentlicht wird über Print-on-Demand und E-Book-Plattformen. Pro Exemplar bleibt deutlich mehr übrig, aber der gesamte Prozess wird selbst finanziert. Die realen Zahlen stehen im Artikel was kostet es, ein Buch zu veröffentlichen.

Hybridmodelle. Ein Verlag teilt sich die Kosten mit der Autorin oder reicht sie ganz weiter und bietet dafür seine Marke und einen Teil seiner Leistungen. Solche Verträge muss man besonders genau lesen: Ein seriöses Hybridmodell schlüsselt die Kosten auf und verspricht keinen Vertrieb, den es nicht hat. Verdient der Verlag sein Geld vor allem an Autorinnen statt an Leserinnen, ist er kein Verlagspartner, sondern eine Druckerei mit besserem Marketing. Von klassischen Druckkostenzuschussverlagen, die hohe Pauschalen ohne Gegenleistung verlangen, ist grundsätzlich abzuraten.

Schritt 1: Sicherstellen, dass der Text wirklich fertig ist

Lektorinnen und Agenturen lehnen die meisten Einsendungen nach wenigen Seiten ab. Nicht weil die Idee schwach wäre, sondern weil der Text die Spuren der ersten Fassung trägt: ungleichmäßiges Tempo, widersprüchliche Figuren, geöffnete und fallengelassene Handlungsfäden.

Bevor irgendetwas verschickt wird, gehört eine vollständige Eigenredaktion dazu. Die Reihenfolge beschreiben wir im Leitfaden einen Roman überarbeiten: zuerst Struktur und Handlung, dann Szenen und Figuren, zuletzt die Sätze. Danach geht der Text an Betaleser, deren Rückmeldungen eingearbeitet werden.

Einen eigenen Test der Veröffentlichungsreife gibt es im Artikel ist mein Buch bereit zur Veröffentlichung. Wer die meisten Fragen dort mit “wahrscheinlich schon” beantwortet, ist noch nicht fertig.

Schritt 2: Die Einsendeunterlagen vorbereiten

Agenturen und Verlage verlangen in der Regel drei Dinge:

  • Ein Anschreiben. Wenige Sätze: wer schreibt, was eingereicht wird, Genre und Umfang in Wörtern oder Normseiten. Ohne Lebensgeschichte und ohne die Versicherung, dass dies der nächste Bestseller ist.
  • Ein Exposé. Ein bis zwei Seiten, in Prosa geschrieben, mit verratenem Ende. Das Exposé ist ein Arbeitsdokument für das Lektorat, kein Klappentext. Es baut keine Spannung auf, sondern belegt, dass die Handlung aufgeht.
  • Eine Leseprobe. Meist die ersten dreißig bis fünfzig Normseiten. Immer der Anfang, nie “die beste Stelle aus der Mitte”. Das Lektorat beurteilt genau das, was auch die Leserin in der Buchhandlung sieht.

Die Vorgaben jedes Empfängers einzeln prüfen. Manche wollen DOC, andere PDF, wieder andere nutzen Formulare. Eine Einsendung, die die Vorgaben ignoriert, wird oft gar nicht erst gelesen.

Schritt 3: Adressaten auswählen und einreichen

Nicht überallhin schicken. Agenturen und Verlage auswählen, die das eigene Genre tatsächlich vertreten oder verlegen: die Programme der letzten zwei Jahre ansehen. Ein Krimi bei einem Verlag, der nur Sachbücher macht, verschwendet die Zeit beider Seiten.

Parallele Einsendungen sind üblich. Es gehört nur zum guten Ton, die übrigen zu informieren, sobald ein Angebot vorliegt.

Auf Warten einstellen. Drei bis sechs Monate Antwortzeit sind Standard, und Schweigen ist oft die einzige Form der Absage. Das Beste, was man in dieser Zeit tun kann, ist das nächste Buch zu schreiben.

Schritt 4: Der Verlagsvertrag

Kommt ein Angebot, rät das Adrenalin, alles zu unterschreiben. Nicht tun. Im Vertrag auf vier Stellen achten:

  • Eingeräumte Rechte. Was genau abgegeben wird: Print, E-Book, Hörbuch, Übersetzung, Verfilmung. Nur einräumen, was der Verlag tatsächlich nutzen wird.
  • Laufzeit und Exklusivität. Eine zeitlich begrenzte Lizenz ist für Autorinnen sicherer als eine Rechteübertragung auf ewig.
  • Tantiemen und Vorschuss. Prüfen, worauf sich der Prozentsatz bezieht: Ladenpreis, Nettoerlös oder Verlagsumsatz. Diese eine Definition kann den realen Satz um ein Mehrfaches verändern.
  • Pflichten des Verlags. Mindestauflage, Erscheinungstermin und was mit den Rechten geschieht, wenn das Buch vergriffen ist.

Bei Zweifeln ist eine Stunde bei einer auf Urheberrecht spezialisierten Kanzlei die günstigste Versicherung des gesamten Prozesses.

Schritt 5: Produktion und Erscheinen

Nach der Unterschrift durchläuft der Text Lektorat, Korrektorat, Satz und Covergestaltung. Im klassischen Verlag dauert das in der Regel neun bis achtzehn Monate. Im Selfpublishing bestimmt man das Tempo selbst, aber die Etappen bleiben dieselben, und keine lässt sich auslassen, ohne dass die Leserin es merkt.

Die Arbeit mit dem Lektorat ist ein Dialog, kein Diktat. Man darf die eigenen Entscheidungen verteidigen, sollte aber jede Anmerkung zuerst als Hinweis lesen, dass etwas auf der Seite nicht funktioniert hat.

Die häufigsten Fehler beim Veröffentlichen

  • Die erste Fassung einsenden. Der häufigste und teuerste Fehler. Die erste Fassung ist Rohmaterial, kein Produkt.
  • Massenversand ohne Auswahl. Hundert identische Mails erreichen weniger als zehn passgenaue Einsendungen.
  • Ein Exposé, das das Ende verschweigt. Das Lektorat muss wissen, ob die Handlung aufgeht.
  • Den ersten Vertrag ungelesen unterschreiben. Ein schlechter Vertrag kann ein Buch jahrelang blockieren.
  • Für die “Veröffentlichung” zahlen, ohne zu wissen wofür. Bei jedem Hybridmodell eine aufgeschlüsselte Kostenliste verlangen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Verlagsveröffentlichung

Ab Einsendung gerechnet: drei bis sechs Monate Wartezeit auf die Entscheidung, danach meist neun bis achtzehn Monate Produktion. Vom fertigen Manuskript bis zum Erscheinen sind anderthalb bis zwei Jahre realistisch.

Kann man ein Buch kostenlos veröffentlichen

Im klassischen Verlag ja, denn die Kosten trägt der Verlag. Im Selfpublishing lässt sich ein E-Book fast ohne Kosten veröffentlichen, aber der Verzicht auf Lektorat und Korrektorat ist im Text und in den Rezensionen sichtbar. Realistische Budgets stehen im Artikel über die Kosten einer Buchveröffentlichung.

Darf man an mehrere Verlage gleichzeitig einsenden

Ja, parallele Einsendungen sind gängige Praxis. Es gehört nur dazu, die übrigen Verlage und Agenturen zu informieren, sobald ein Angebot vorliegt.

Was erhöht die Chance auf eine Zusage

Drei Dinge: ein Text nach vollständiger Eigenredaktion, eine Einsendung, die die Vorgaben des jeweiligen Empfängers exakt einhält, und eine Auswahl von Agenturen und Verlagen, die das Genre wirklich machen. Gegen die Flut der Manuskripte, die “direkt nach dem Tippen” verschickt werden, ist Sorgfalt allein schon ein Unterscheidungsmerkmal.

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